Die Dreyfus-Affäre: Fehlurteile, Antisemitismus und Rehabilitierung
2026

Die Dreyfus-Affäre: Fehlurteile, Antisemitismus und Rehabilitierung
1894 beschuldigte die französische Armee den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus aus dem Elsass, geheime Unterlagen an Deutschland weitergegeben zu haben. Ein Militärgericht verurteilte ihn in einem Verfahren, in dem auch ein geheimer Aktenbestand eine Rolle spielte, den die Verteidigung nicht ordnungsgemäß prüfen konnte. Im Januar 1895 wurde Dreyfus öffentlich degradiert und anschließend auf die Teufelsinsel in Französisch-Guayana deportiert.
Hintergrund
Später richteten sich wesentliche Verdachtsmomente gegen den Offizier Ferdinand Walsin Esterhazy. Georges Picquart deckte Widersprüche auf, während Teile der militärischen Führung am ursprünglichen Urteil festhielten. Die Affäre spaltete die französische Öffentlichkeit. Antisemitische Zeitungen instrumentalisierten die jüdische Herkunft des Angeklagten, andere forderten Rechtsstaatlichkeit und eine genaue Prüfung der Beweise.
Hintergrund
Der Schriftsteller Émile Zola veröffentlichte im Januar 1898 seinen offenen Brief „J’Accuse…!“. Damit kritisierte er den Umgang staatlicher und militärischer Stellen mit dem Fall. 1899 wurde Dreyfus in Rennes erneut verurteilt, anschließend aber vom Präsidenten begnadigt. Eine Begnadigung ist von einem Freispruch zu unterscheiden: Sie beseitigte die strafrechtliche Verurteilung nicht.
Hintergrund
Erst 1906 hob der französische Kassationsgerichtshof das Urteil auf und rehabilitierte Alfred Dreyfus vollständig. Er kehrte in die Armee zurück und erhielt die Ehrenlegion. Der Fall gilt bis heute als Prüfstein für unabhängige Justiz, Pressefreiheit, öffentliche Kontrolle des Militärs und die Bekämpfung des Antisemitismus.
Hintergrund
Historische Zeichnungen aus dem Prozess von Rennes, Karikaturen aus der zeitgenössischen Presse und Archivakten dokumentieren die Vorgänge aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine moderne Rekonstruktion des Gerichtssaals ist hingegen keine authentische Fotografie. Für die Einordnung sind französische Parlamentsarchive und Militärakten maßgeblich.
Quellen und weiterführende Links
www.assemblee-nationale.fr — l affaire dreyfus