Die Familie Eisenberg und die Oberrabbiner von Wien

Paul Chaim Eisenberg gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des österreichischen Judentums der Nachkriegszeit. Er wurde 1950 in Wien geboren und entstammt einer Rabbinerfamilie. Sein Vater Akiba Eisenberg war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wien gekommen und hatte von 1948 an das Oberrabbinat der Wiener Gemeinde inne. Der Sohn studierte zunächst Mathematik und Statistik, wandte sich dann der rabbinischen Ausbildung zu und übernahm 1983 das Amt des Wiener Oberrabbiners. Über drei Jahrzehnte war er damit eine weithin bekannte religiöse Stimme der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.
Eine Familie von Rabbinern
Als Oberrabbiner befasste sich Eisenberg nicht nur mit Gottesdiensten und religiösen Fragen. Dazu gehörten jüdische Bildung, persönliche Seelsorge, öffentliche Stellungnahmen und die Begegnung mit einer nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft. Seit 1988 war er auch Oberrabbiner des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs. Bekannt wurde er durch Vorträge, Bücher, Humor und musikalische Auftritte. Er verband eine orthodoxe religiöse Praxis mit einem offenen Kommunikationsstil. Seine Auftritte zeigten, dass ein Oberrabbiner neben theologischer Autorität auch eine Brücke zwischen Generationen und gesellschaftlichen Gruppen bilden kann.
Wiener Oberrabbiner und die Übergabe 2016
Im Jahr 2016 trat Eisenberg nach 33 Jahren als Wiener Oberrabbiner in den Ruhestand. Das bedeutete die Abgabe dieses konkreten Amtes, nicht das Ende seiner öffentlichen Tätigkeit. ORF berichtete damals, er bleibe Oberrabbiner des österreichischen Gemeindeverbandes. Sein unmittelbarer Wiener Nachfolger war Arie Folger, der ab September 2016 amtierte. Folger verließ die Funktion später; 2020 übernahm Jaron Engelmayer die Leitung des Wiener Oberrabbinats. Die Unterscheidung zwischen dem Wiener Amt und Funktionen auf österreichischer Verbandsebene ist wichtig, weil beide Titel sonst leicht verwechselt werden.
Nachfolger bis 2026
Im Juni 2026 bestimmte der Kultusvorstand der IKG Wien Rabbiner Yaron Nisenholz zum neuen Oberrabbiner und zum Rabbiner des Stadttempels. Er hatte zuvor unter anderem in Basel gewirkt und war als Gemeinderabbiner in Tel Aviv tätig. Sein Amtsantritt war nach den Hohen Feiertagen im Herbst vorgesehen. Die Bestellung erfolgte nach internationaler Ausschreibung, Hearings und einer Auswahlkommission. IKG-Präsident Oskar Deutsch dankte dem scheidenden Oberrabbiner Engelmayer. Die Personalentscheidung zeigt, wie die traditionsreiche Gemeinde versucht, verschiedene religiöse und persönliche Hintergründe unter einem institutionellen Dach zusammenzuführen.
Die jüdische Gemeinde in Wien
Das jüdische Wien hat eine lange, vielfach gebrochene Geschichte. Im Mittelalter existierten Gemeinden am heutigen Judenplatz; die Verfolgung von 1420/21 beendete dieses Kapitel gewaltsam. Im 19. Jahrhundert brachte die rechtliche Emanzipation eine große kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Synagogen, Vereine, Schulen, soziale Einrichtungen und jüdisches Geistesleben prägten Wien. Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte ab 1938 fast alle Synagogen und einen Großteil des Gemeindelebens. Der 1826 eröffnete Stadttempel in der Seitenstettengasse blieb als einzige größere Wiener Synagoge erhalten und wurde im September 2026 nach umfangreicher Restaurierung wiedereröffnet.
Jüdisches Leben nach der Schoah
Heute gehört zur IKG Wien weit mehr als der Stadttempel. Es gibt Gebetsräume, Bildungsangebote, die Zwi-Peres-Chajes-Schule, soziale Betreuung, das Maimonides-Zentrum sowie Kultur- und Jugendarbeit. Die Leopoldstadt ist wieder ein sichtbarer Schwerpunkt jüdischen Lebens. Zuwanderung aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion half beim Wiederaufbau und bei der Vielfalt der Gemeinde. Die Geschichte der Familie Eisenberg und ihrer Nachfolger ist darum zugleich eine Geschichte über Kontinuität nach der Katastrophe, religiöse Verantwortung und die Frage, wie ein historisch verwundbares Gemeindeleben seine Zukunft gestaltet.
Familiengeschichte und Gemeinde
Akiba Eisenberg war von 1948 bis zu seinem Tod 1983 bereits Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Wien. Er wirkte in einer Zeit, in der jüdische Einrichtungen nach der nationalsozialistischen Verfolgung neu aufgebaut werden mussten. Sein Sohn Paul Chaim Eisenberg wurde 1950 in Wien geboren, studierte Mathematik und Statistik sowie später am Rabbinerseminar in Jerusalem. 1983 trat er die Nachfolge seines Vaters an und blieb bis 2016 Oberrabbiner von Wien. Die Geschichte beider Generationen zeigt, wie eng religiöse Kontinuität, Wiederaufbau, Bildung und öffentliches Gemeindeleben miteinander verbunden sind.