Die Juden Afghanistans und die alte Synagoge von Kabul

Eine lange jüdische Geschichte
Jüdische Gemeinden lebten seit Jahrhunderten in Gebieten des heutigen Afghanistan, besonders in Handelsstädten wie Herat und Kabul. Ihre Geschichte ist eng mit persischsprachigen jüdischen Gemeinschaften in Zentralasien und dem Iran verbunden. Kaufleute nutzten überregionale Handelswege, während religiöse Traditionen und Familienbeziehungen weit entfernte Städte miteinander verbanden. Historiker untersuchen Reiseberichte, Handschriften, Grabsteine und Erinnerungen. Überlieferungen über eine unmittelbare Herkunft aus biblischer Zeit sind von überprüfbaren Quellen zu unterscheiden.
Gebete, Sprachen und Alltag
Synagogen und private Häuser dienten als religiöse Treffpunkte. Jüdische Familien feierten Schabbat und Feiertage und pflegten Gebete auf Hebräisch, während die Alltagssprache häufig vom regionalen Umfeld geprägt war. Unter verschiedenen Herrschern änderten sich ihre Rechte und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Manche Zeiten waren von Einschränkungen und Unsicherheit gekennzeichnet. Eine ausgewogene Geschichte ist deshalb weder eine idealisierte Erzählung ständiger Harmonie noch eine Darstellung ununterbrochener Verfolgung.
Auswanderung im zwanzigsten Jahrhundert
Politische Umbrüche und die Gründung Israels beschleunigten die Abwanderung vieler jüdischer Familien. Ein Teil ließ sich in Israel nieder, andere gingen in die Vereinigten Staaten und weitere Länder. Dadurch verloren manche religiösen Gebäude ihre Gemeinde. Zugleich überlebten viele Bräuche in der Diaspora, etwa bestimmte Speisen, Musik und Gebetsformen. Mündliche Berichte sind heute besonders wertvoll, weil immer weniger Menschen das frühere Alltagsleben der Gemeinden selbst erlebt haben.
Die Synagoge von Kabul
Sebulon Simintov wurde international bekannt, weil er nach der Abwanderung der meisten Juden in der Synagoge von Kabul lebte. Im September 2021 verließ er während der Machtübernahme der Taliban Afghanistan. Zeitungen bezeichneten ihn häufig als letzten Juden des Landes. Solche Formulierungen sind vereinfachend, denn Fragen der Identität und des Aufenthalts einzelner Personen lassen sich nicht immer eindeutig beantworten. Historisch bleibt das Synagogengebäude bedeutend, auch wenn dort kein regelmäßiger Gemeindegottesdienst mehr stattfindet.
Erinnerung über Grenzen hinweg
Die Geschichte der afghanischen Juden endete nicht mit dem Auszug aus Kabul. Nachkommen bewahren Fotografien, Briefe, Gebetbücher und Familienerinnerungen in vielen Ländern. Sammlungen und Ausstellungen können dabei helfen, das kulturelle Erbe zu dokumentieren. Entscheidend ist, die jüdischen Afghanen nicht als verschwundene Randnotiz darzustellen. Sie leben in neuen Gesellschaften weiter, und ihre Erfahrungen gehören sowohl zur afghanischen Geschichte als auch zum Weltjudentum.
Quellen
Oktober 2026